Mittwoch, 14. April 2010

Herzerkrankungen beim Hund

Herzerkrankungen beim Hund



· Herzklappenfehler – der häufigste Herzfehler

· Herzasthma entsteht durch Lungenrückstau

· Herzmuskelschaden und Herzrythmusstörungen

· Herzwurmkrankheit ist eine exotische Seltenheit



Herzklappenfehler( Herzinsuffizienz)

Die Herzklappen sind die Ventile des Herzmuskels, die den Blutstrom regeln. Man unterscheidet 2 verschiedene Herzklappen: Die so genannten Segelklappen( Atrioventrikular- oder AV-Klappen) steuern den Zufluss zwischen beiden Vorhöfen( Atrium) und den Hauptkammern( Ventrikel) des Herzens. Die Semilunarklappen regeln den Zugang zur Hauptschlagader(Aorta) und der Lungenarterie(Arteria Pulmonalis).

Durch Infektionen der Herzinnenhaut ( Endocarditis), aber vor allem durch altersbedingte Abnutzung kommt es zu Vernarbungen und Verhärtungen( Fibrosen) der Herzklappen. Diese werden dann undicht. Eine solche Funktionsstörung der Ventile im Herzen bewirkt einen Rückstrom in die flache Richtung. Das erzeugt fauchende Geräusche, die der Mediziner mit dem Stethoskop erkennt. Den Druckverlust kompensiert das Herz durch eine Vergrößerung der Herzkammer.

Symptome eines Herzfehlers

Verdacht auf einen Herzfehler besteht, wenn folgende Symptome vorliegen:

Ständiger Husten, der vor allem bei Anstrengung und Aufregung auftritt( so genanntes Herzasthma) sowie Mattigkeit und Schweratmigkeit vorwiegend bei schwüler Hitze und atmosphärischen Hochdruck ( z.B. Föhn).

In schlimmsten Fällen entsteht so genannte Ödeme: Leberstau und Bauchwasser führen zum Hängebauch, zudem sind Schwellungen der Beine und an der Unterbrust möglich. Nächtliche Unruhe und gelegentliche Ohnmachtsanfälle des Vierbeiners weisen auf einen hochgradigen Herzfehler hin.

Diagnose von Herzklappenfehlern

Der erfahrene Mediziner erkennt einen Klappenfehler an den durch das Stethoskop hörbaren Geräuschen, welche die undichten Klappen verursachen. Zusammen mit den erwähnten Symptomen ist die Diagnose dann meist eindeutig. Röntgenausnahmen zeigen den vergrößerten Herzschatten und die Verformung des Herzens. So erhält der Arzt einen guten Überblick über die Ausmaße einer Herzklappeninsuffizienz. Zudem lässt sich am erkennbaren Lungen- oder Leberstau deutlich die mehr oder weniger betroffene Herzhälfte ausmachen. Eine Ultraschalluntersuchung macht die genauen Bewegungs- und Strömungsverhältnisse an den Herzklappen deutlich. Beim Verdacht auf einen Herzmuskelschaden muss zusätzlich ein EKG angefertigt werden.

Therapie bei Herzinsuffizienz

Über Jahrzehnte standen die so genannten Herzglykoside( Digitalispräparate) zur Stärkung der Herztätigkeit im Vordergrund aller Herztherapien. Digitalis ist eines der ältesten, am längsten bekannten und eingesetzten Medikamente, das auch noch heute aus dem „ Weißen Fingerhut“ hergestellt wird. Eine Überdosis des Wirkstoffes, etwa wenn ein Tier die Pflanze frisst, führt zum Herzstillstand. In der richtigen Dosierung, die übrigens beim Hund das 3-5 fache der für den Menschen nötigen Menge beträgt, ist es auch heute eine der besten herzstärkenden Mittel. In den homöopathischen Verdünnungen ist es allerdings weitgehend unwirksam. Gerade am Beispiel des Digitalis wird eine wichtige Regel deutlich: Die Wirkung eines Medikamentes definiert sich vor allem über die richtige Dosierung und nicht allein über den darin enthaltenen Wirkstoff.

Ältere Human- und Tiermediziner verabreichen Digitalis auch heute noch oft zu früh. Das kehrt seinen positiven Effekt leider um: Häufig wird damit sogar das Herz überstrapaziert und seine Lebensleistung vermindert!

Zur schonenderen Therapie eines leichten Herzfehlers empfiehlt sich die Gabe Gefäß erweiternder Mittel, so genannte ACE- Hemmer. Dies ist seit ca. 10 Jahren bei Mensch und Tier die Behandlung der ersten Wahl: ACE- Hemmer senken den Blutdruck und erleichtern dem Herzen so das „Abpumpen“ gegen den Kreislauf erheblich.

Bei zusätzlichen Stauungssymptomen in Lunge oder Leber kommen in der nächsten Stufe der Therapie entwässernde Medikamente zum Einsatz. Diese regen die Niere zur vermehrten Harnausscheidung an.

Erst bei stark fortgeschrittenen Herzinsuffizienzen mit einer sehr hohen Pulzfrequenz gibt man nach wie vor Digitalis, um das Herz zu stärken und den Puls anzuregen.

Bei sehr hohen Herzfrequenzen müssen ergänzend Beta- Blocker und andere frequenzsenkende Mittel gegeben werden. Eine salzarme Diät, die eine zusätzliche Hilfe gegen zu hohen Blutdruck darstellt, ist bei Herzpatienten ebenfalls zu empfehlen.

Was ist Links- und Rechts-Herzinsuffizienz?

Eine undichte linke AV-Klappe (Mitralinsuffizienz) verursacht eine Erweiterung des linken Vorhofes und einen Rückstau vom Blut in der Lunge. So bildet sich Lungenwasser, das mit Schweratmigkeit und dem Herzhusten einhergeht.

Bei der Rechts-Herzinsuffizienz ist durch eine fehlerhafte rechte AV-Klappe (Tricuspidalis) der rechte Vorhof erweitert. Über die Hohlvenen kommt es zu einem Rückstau im Bauchraum.

Die jeweiligen Hauptkammern des Herzens vergrößern sich bei der Herzinsuffizienz, um die höhere Pumpleistung zu bewerkstelligen. Beim Hund kommen Herzklappenfehler wie beim Menschen meinst beidseitig vor – bei einseitigen Insuffizienzen ist in 75 % der Fälle die linke Seite betroffen.

Blut ein besonderer Saft!

Das Blut versorgt den Organismus mit allen lebensnotwendigen Substanzen. Es besteht zur Hälfte aus zelligen Bestandteilen, den roten und weißen Blutkörperchen. Die roten Blutkörperchen sind für den Transport vom Sauerstoff verantwortlich; die weißen Blutkörperchen sind für die Abwehr von Infektionen zuständig. Die andere Hälfte besteht besteht aus Blutplasma. Dieses enthält Eiweißstoffe, die eine wichtige Rolle in der Ernährung spielen Globuline, die an der körpereigene Abwehr beteiligt sind und den Blutzucker als Energieträger.

Welcher Hunde bekommen Herzklappenfehler?


Die Lebenserwartung von herzkranken Hunden hat sich durch die differenzierte Diagnostik und Therapie vor allem durch die ACE-Hemmer wesentlich verbessert. Zudem ist festzusetzen, dass altersbedingte Herzklappenfehler bei 70 bis 80 % aller Hunde auftreten. Kleine bis mittelgroße Rassen, wie z.B. Pudel, Dackel, Schnauzer, Spitz und Terrier scheinen jedoch überwiegend davon betroffen zu sein.

Herzmuskelschaden und Herzrhythmusstörungen

Herzmuskelschäden treten vor allem in Folge schwerer Infektionen auf. Sie Können, wie z.B. bei der Parvo-Virusinfektion, bei jungen Hunden zu einem akuten Herzversagen führen. Aber auch viele andere Infekte gehen manchmal mit einer Herzmuskelentzündung(Mycocarditis) einher, die zu einer bleibenden Schädigung am Herzmuskel führt. Auch ständige Überlastung bei einem unerkannten Herzklappenfehler verursacht auf Dauer bleibende Schäden am Herzmuskel und seinem reizleitenden System. Dies hat dann häufig Herzrhythmusstörungen zur Folge, die man auch als Laie am unregelmäßigen Herzschlag und Puls erkennt.

Symptome, Diagnose und Therapie des Herzmuskelschadens

Der Hund ist matt und schwach, erbricht auch gelegentlich. Die Schleimhäute sind blass, auch taumelnder Gang und Schwindel sind häufig zu beachten.

Die Grundkrankheit ( Infektion, Vergiftung, chronischer Herzklappenfehler etc.) muss in der jedem Fall zuerst behandelt werden. Zur Herztherapie selbst werden Digitalglykoside zur Herzstärkung, Diuretika zur Entwässerung und ACE-Hemmer eingesetzt. Je nach Art der Arhythemie, ob mit schnellem Puls oder stockendem Puls, kommen unterschiedliche Antiarhythmika zum Einsatz.

Alle Herzkrankheiten mit Herzmuskel- und Reizleitungsstörungen treten meist erst im fortgeschrittenen Stadium eines Herzfehlers auf. Sie sind dabei schwer und selten auf Dauer erfolgreich zu behandeln.

Herzinfarkt beim Hund

Ein Infarkt beim Hund ist eine äußerst seltene und noch seltener diagnostizierte Komplikation. Beim Herzinfarkt kommt es zu einer akuten Verstopfung der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel selbst mit Sauerstoff versorgen. Ein akuter Infarkt ist mit stechenden Schmerzen verbunden, die von der Brust in den Arm bzw. in die Extremitäten ausstrahlen. Leider kann der Vierbeiner dieses auch bei leichteren Fällen ( Angina Pectoris) auftretende Symptom nicht vermitteln. So mancher scheinbar akute Zusammenbruch eines Hundes ist wohl- vor allem bei schwüler Sommerhitze- auf einem Herzinfarkt zurückzuführen.

Angeborene Herzfehler

Im Vergleich zu den bisher besprochenen „ erworbenen“ Herzfehlern treten die angeborenen Herzfehler beim Hund sehr viel seltener auf ( etwa5% aller Herzkrankheiten). Bestimmte Rassen sind davon besonders betroffen.

Verengung der Schlagadern am Herzen
Eine verengte Lungenarterie führt zur Erweiterung und Vergrößerung der rechten Herhälfte. Das hat einen Rückstau über die Hohlvene in den Bauchraum zur Folge. Bevorzugt tritt sie bei Boxer, Englischer Bulldogge und Beagle auf.

Eine verengte Hauptschlagader bewirkt eine Vergrößerung der linken Herzhälfte und hat einen Lungenstau zur Folge. Sie kommt überwiegend bei Boxern vor.

Es gibt verschieden Therapiemöglichkeiten: Bei beiden Gefäßansatzverengungen helfen in der Regel herzstärkende Mittel, aber auch gefäßerweiternde ACE- Hemmer. Bei Stauungssymptomen in Lunge oder Leber kommen wie bei der Herzinsuffizienz zusätzlich entwässernde Medikamente zum Einsatz.

Mit einem recht komplizierten operativen Eingriff am offenen Brustkorb mit künstlicher Beatmung lassen sich Pulmonalstenosen eventuell erweitern. Einige Universitätskliniken haben diese Operation inzwischen im Repertoire. Die Erweiterung von Aortenstenosen ist noch komplizierter, da man hier am offenen Herzen operieren muss. Das macht den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine erforderlich, also wird dieser Eingriff außer zu Versuchszwecken bei Tieren praktisch nicht vorgenommen.

Gefäßmissbildungen am Herzen
Fehlentwicklungen des Embryos führen ganz selten zu falschen Verbindungen zwischen den herznahen Gefäßen.

Persistierender( bleibender) Ductus Botalli

Unmittelbar hinter dem Herzen bildet sich in der embryonalen Entwicklung des Hundes eine Gefäßverbindung zwischen der Hauptschlagader( Aorta) und der lungenarterie( Artera pulmonalis). Bliebt diese Verbindung bestehen, wird nach der Geburt sauerstoffarmes und sauerstoffreiches Blut vermischt. Es kommt zu andauernder Schwäche, Schwindel und permanent erhöhter Kreislaufbelastung. Oft ist damit auch eine weitere Gefäßmissbildung, der so genannte persistierende Aortenbogen, verbunden. Dieser meinst nicht mehr durchgängige Gefäßstrang verengt die Speiseröhre im Bereich der Herzbasis.

Auch diese beiden Missbildungen können durch eine sehr aufwendige OP behoben werden.

3.Atrium-bzw. Ventrikelseptumdefekt

Diese embryonale Fehlentwicklung führt zu Öffnungen oder größeren Löchern in der Trennwand zwischen den Herzhälften. Das hat eine Vermischung von sauerstoffreichen mit sauerstoffarmen Blut zur Folge.

Die operative Behebung eines Septumsdefekts ist beim Hund theoretisch möglich. Obwohl der Eingriff in Ausnahmefällen bereits erfolgreich durchgeführt wurde, gehört es zu den sehr seltenen OP`s. Diese Erkrankung kommt bei bestimmten Linen großer Rassen am häufigsten vor, z.B. Mastino neapolitano

Herzwurmkrankheiten

Sie sind vorwiegend bei Hunden diagnostiziert, die aus südlichen Ländern wie Afrika, Mittelamerika, südliche USA, aber auch Mittelmeerländern oder den kanarischen Inseln stammen. Steckmücken übertragen die Larven des Wurmes. Im Blutkreislauf entwickeln sich die Mikrofilarien zu 15cm langen Würmern. Ein spaghettiähnliches Wurmknäuel kann dann die rechte Herzhälfte verstopfen. Absterbende Würmer verursachen Lungenverdichtungen, Embolien und Lungeninfektionen, die sich durch blutigen Husten zeigen. Eine Therapie im fortgeschrittenen Stadium ist nahezu unmöglich.

Die Vorbeugung ist also die wichtigste Vorsichtsmaßnahme. Es ist zu empfehlen, einen Vierbeiner, der sein Herrchen oder Frauchen in den Süden begleiten soll, durch eine Spritze zu schützen. Die Wirkung hält 4 Wochen lang an. Das selbe Präparat existiert inzwischen als Spot-on. Diese hilft gleichzeitig auch gegen Spulwürmer sowie Flöhe- sie ist also sehr zu empfehlen, wenn man seinen Schützling in den Süden mitnehmen will.

Herzschlag und Puls fühlen

Der Herzschlag ist am besten durch den Herzspitzenstoß auf der linken Siete des Brustkorbes zu fühlen. Tasten sie im unteren Drittel knapp hinter und etwas oberhalb des Ellbogens. Der Herzspitzenstoß entsteht durch die Kontraktion der beiden Hauptkammern, die das Blut in den Körper und die Lunge treibt. Etwas zeitlich verzögert, aber beim gesunden Herzen absolut synchron, ist der Puls zu fühlen. Als Pulsschlag bezeichnet man die sich über die Gefäße des Körpers ausbreitende Druckwelle des Blutstroms. Er ist am besten an der Oberschenkelarterie zu fühlen. Tasten sie an der Innenseite der Oberschenkel, in der Mitte zwischen Leiste und Knie, mit sanftem Druck auf das Gefäß. Die richtige Beurteilung des Pulses gibt dem Fachmann bei gleichzeitigem Abhören der Herztöne die wichtigsten Information über ein gesundes oder krankes Herz-Kreislauf-System. Die Pulsfrequenz beträgt beim Hund je nach Größe 90 bis 120 Schläge pro Minute

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